Reisebericht Helgoland im Oktober 2015

…von Cuxhaven nach Helgoland und zurück mit dem Katamaran

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…am Anfang stand der Plan – du musst mal raus aus dem Alltagstrott, dachte ich mir. Im Sommer hatte ich mir mal überlegt dass ich schon gefühlte 100 Jahre nicht mehr auf Helgoland war. Aber wie das so ist, hat man 1000 andere Dinge im Kopf und so verblieb es mal wieder länger darüber nachzudenken.

Dann war ich auf einer Geburtstagsfeier und meine Cousine erzählte dass ihr Mann auf Helgoland arbeite. Sie würde ihn gern mal besuchen aber mit ihren zwei Labrador Hunden sei ihr das zu anstrengend. Natürlich fielen mir bei diesen Worten meine Urlaubspläne vom Sommer wieder ein. Wir haben dann Nägel mit Köpfen gemacht, ihr Mann buchte für mich ein Zimmer (meine Cousine konnte natürlich bei ihrem Mann im Appartement schlafen) und am 23.10.2015 ging es los. Ein paar Tage vor dem Reisedatum waren bei uns im Harz so um die 0° und es fiel sogar ein bisschen Schnee. Ich packte also genug warme Sachen ins Gepäck um für alle Fälle gerüstet zu sein. Mein Seesack wurde schwerer und schwerer aber Wintersachen wiegen nun schließlich auch mehr als ein paar T-Shirts. Dabei hatte ich immer im Hinterkopf dass ich ja einen Hund an der Leine hatte, was für mich als Nichthundebesitzer eine ungewohnte Situation war. Gepäck und Hund zu koordinieren würde schon eine Hürde werden, dass war mir schon klar. Da ich mich vorher intensiv über die Insel Helgoland informiert hatte wusste ich auch dass man dort günstig zollfrei einkaufen konnte aber schließlich hatte ich ja genug zum Anziehen…

Wir starteten also am 23.10.2015 morgens um 5:30 Uhr mit 2 Hunden, ner Menge Gepäck und viel Vorfreude in Richtung Küste. Die Sitzplätze auf dem Katamaran waren gebucht und das Schiff sollte um 11:30 Uhr ab Cuxhaven starten. Der Wetterbericht sagte unglücklicherweise für diesen Tag eine Wellenhöhe von 2-3 Metern an und so war nicht sicher ob wir die Überfahrt nach Helgoland vielleicht doch mit einem Bäderschiff machen mussten denn der Katamaran fährt ab einer Wellenhöhe von 2,5 m nicht mehr. Aber alles ging glatt und wir waren erleichtert denn das bedeutete ja, dass die Wellen doch nicht so hoch waren. Der Katamaran legt von der “Alten Liebe” ab und man konnte am Anlegerhäuschen sogar das Gepäck aufgeben. Auf Wunsch wird es sogar bis zur Unterkunft auf Helgoland gebracht – ein super Service, wie ich finde! So hat man keine Schlepperei auf dem Schiff und kann ganz entspannt die Überfahrt genießen.

Unsere Hinfahrt war nicht ganz so entspannt – man kann auf dem Wasser ja schlecht abschätzen wie hoch die Wellen sind, weil man keinen festen Punkt zum Vergleichen hat. Es wurden vom Bordpersonal gleich zum Anfang blaue Kotztüten verteilt und der Kapitän sagte uns, dass es wohl auf hoher See ziemlich ruppig werden würde. Na ja, mal sehen wie die Hunde und wir das vertragen würden. Hunde müssen auf dem Schiff einen Maulkorb tragen und haben dann natürlich ein Problem wenn ihnen schlecht wird. Unsere beiden Labradore mussten sich unter den Tisch legen (was für große Tiere ja schon ein bisschen eng wird), weil das Personal und die Mitreisenden sonst darüber stolpern könnten. Lennox legte sich brav hin (und blieb auch liegen) aber Enzo mochte die Bocksprünge, die das Schiff öfters mal machte, überhaupt nicht und war ziemlich unruhig. Zum Glück war der Katamaran nicht komplett ausgebucht, sonst wäre es schwierig geworden.

Im hinteren Teil des Schiffes waren diverse Geräusche zu hören, das Personal flitzte mit Tüchern, blauen Säcken und Eimern durch die Gänge aber nach 1,5 Std. hatten wir es geschafft, der Kat legte in Helgoland an und wir gingen von Bord.

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Neugierig auf die Insel ließ ich den ersten Eindruck auf mich wirken.


Jawohl, genauso hatte ich mir
das vorgestellt. Die Hummerbuden am Hafen, das rote Gestein, die frische Luft – die ganze kleine Insel entsprach meinen Vorstellungen. Die beiden Hunde wollten natürlich gleich losrennen aber auf der ganzen Insel herrscht bis auf einen kleinen Strandabschnitt Leinenzwang – also mussten sie brav an der Leine gehen.
Aber zuerst musste ich mal mein Gepäck loswerden (leider hatte ich es nicht bis zum Hotel bringen lassen). Nach einem kleinen Fußmarsch, durch die Hunde ging es im Schneckentempo vorwärts, denn die neuen Gerüche waren so aufregend dass wir nur langsam vorankamen, kam ich am Hotel “Düne-Süd” an. Hier wartete mein Zimmer auf mich, dass zwar klein aber zweckmäßig eingerichtet war. Bett, Schrank, Schreibtisch, darüber ein Fernseher und ein angrenzendes Badezimmer – mehr brauche ich sowieso nicht, schließlich wollte ich die Insel erkunden und mich die wenigste Zeit im Zimmer aufhalten. Das Hotel “Düne-Süd” liegt im Unterland genau in der “Einkaufsmeile” von Helgoland. Aber dadurch dass auf Helgoland nur Elektroautos fahren, gibt es ja auch keinen Straßenlärm.

Natürlich war ich neugierig auf die Geschäfte und vor allem auf die Preise! Zollfrei einkaufen heißt ja nicht dass man nix bezahlen muss. Wie ich festgestellt habe gibt es hier Preisunterschiede für einzelne Artikel, also lohnt es sich auch auf Helgoland die Preise zu vergleichen. Der Unterschied liegt zum Beispiel bei Parfümerie-Artikeln und Spirituosen in der Packungsgröße. Es gab natürlich auch Kleidung von etlichen namhaften Firmen. Für Winterjacken die auf dem Festland so richtig teuer sind kann man hier damit rechnen nur die Hälfte zu bezahlen, denn es gibt in fast jedem Geschäft noch Rabatte. Es kann auch vorkommen dass man gefragt wird was man denn zahlen möchte. Es lohnt sich auf jeden Fall beim Kofferpacken zu Hause, noch Luft zu lassen – außer man ist ein Mann (:-)) oder sehr standhaft…

Es gibt auf Helgoland eigentlich sehr viele Gaststätten, kleine Kneipen und gemütliche Lokale wenn man von der frischen Nordseeluft hungrig geworden ist. Für ein normales Gericht zahlt man im Durchschnitt ab etwa 16,- €. Für den kleinen Hunger genügt ja vielleicht ein belegtes Brötchen wofür man ca. 5,- € bezahlt. Eine Alternative ist auch der Inselbäcker mit Stehtischen vor dem Geschäft.

Am nächsten Tag stand für mich ein Ausflug nach Düne auf dem Programm, leider alleine denn dort ist Hundeverbot. Die Überfahrt mit einem kleinen Boot, kostete für Hin- und Rückfahrt 5,- €, dauerte ca. 15 Minuten und man bekam einige Infos über die kleine Insel. Ich war schon sehr gespannt wie es dort sein würde und ob ich Bernstein, den roten Feuerstein oder Treibholz finden würde. Es blies ein starker Wind und ich war froh eine Mütze eingepackt zu haben. Auf Helgoland geht jede Frisur zum Teufel denn man hat eigentlich immer ordentlichen Wind. Aber die Temperaturen waren die ganzen 4 Tage so um die 15°, deshalb hat mich auch der Wind nicht gestört.

IMG_0216 Seehunde am Strand von Düne

Gleich um die erste Ecke lag eine Gruppe Seehunde am Strand. Man soll einen Abstand von 30 Metern lassen um die Tiere nicht zu stören. Wenn man die Nase, so wie ich, immer nach unten hält um Sachen zu finden, muss man wirklich aufpassen um nicht über die Seehunde zu stolpern denn sie liegen am ganzen Strand verteilt. Jetzt beginnt bald die Zeit der Geburten und da die Babys am Anfang noch kein wasserdichtes Fell haben, schleppen die Mütter ihre Jungen vom Strand weg damit sie das Wasser nicht erreicht. Der bevorzugte Platz ist dann die Landebahn des kleinen Flughafens von Helgoland. Aber mir ist abseits vom Strand nur ein Hase über den Weg gelaufen.

Man kann auf Düne auch ein Ferienhaus mieten um ungestört Urlaub zu machen. Die Tagestouristen bleiben ja meistens auf der Hauptinsel um zu shoppen oder die lange Anna anzusehen und so hat man auf Düne wirklich seine Ruhe. Allerdings fährt die Fähre nur bis 21 Uhr und danach muss man schon schwimmen um nach Helgoland zu kommen.

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Von außen sehen die kleinen Ferienhäuser so richtig gemütlich aus

Zurück auf Helgoland stand jetzt ein Spaziergang ins Oberland an. Die lange Anna und die Brutfelsen der Vögel waren natürlich Pflichtprogramm. Wir hatten den Vorteil dass ab 16 Uhr die Tagestouris schon wieder auf dem Heimweg waren, denn sonst kann es eng werden auf dem Klippenweg. Auf dem Oberland gibt es sogar Schrebergärten. Liebevoll angelegt und alles in Miniaturgröße, denn viel Platz ist dort verständlicherweise nicht.

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Am nächsten Tag machten wir eine Führung durch den zum Teil gut erhaltenen Bunker mit. Für die 8,50,- € bekamen wir eine tolle Führung und verständliche Erklärungen über die schlimmen Kriegszeiten. Knapp 1,5 Std. waren wir 18 Meter unter der Erde und bekamen einen ungefähren Eindruck was die Bewohner Helgolands damals aushalten mussten.

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Bei herrlichem Sonnenschein und 15° machten wir mit den Hunden einen langen Strandspaziergang im Unterland, vorbei am Museum (dort stehen Miniaturen der Hummerbuden), der Jugendherberge und dem Schwimmbad. Unterwegs begegneten uns immer wieder Leute mit ihren geschulterten Stativen und überall konnte man sehen wie sie geduldig ihre Kamera positionierten um eine Aufnahme von den verschiedenen Vogelarten zu bekommen.

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Ach wie schade, der letzte Tag war angebrochen – noch schnell die letzten Einkäufe getätigt, die Hunde durften nochmal die verlockenden Düfte schnüffeln und wir verabschiedeten uns von der Insel denn um 16:30 Uhr ging der Kat und ein verlängertes Wochenende war vorbei!  Zum Glück hatten wir an dem Tag kaum Wellen und so konnten wir die Rückfahrt ganz entspannt genießen.

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Mein Fazit für einen Besuch auf Helgoland…
wer Ruhe sucht, wer sich für Einzigartiges interessiert oder Tiere beobachten möchte, die ist auf Helgoland genau richtig!
Achtung Hundebesitzer…
für die Überfahrt wird ein Maulkorb gebraucht (alle Hunde!)
fast überall Leinenzwang
auf Düne ist Hundeverbot